Meine Begrüßungsrede zur Eröffnung der von mir kuratierten Ausstellung  __REICH AN ZEICHEN im MUSEUM REINICKENDORF | GalerieETAGE 25.3. – 14.6. 2026

english version below

 

 

Liebe Anwesende!

ich freue mich sehr über Ihr Dasein…

das ist nicht nur eine schöne – auch philosophosche – Begrüßung, die zudem ohne gendern auskommt… sie erfasst auch im Kern, was es braucht, um mit Kunst in Kontakt zu kommen: Anwesenheit – Präsenz.

Es ist ein großes Glück für uns Künstler:innen, von präsenzbereiten Wesen wahrgenommen zu werden – und umgekehrt, ist es für jene Präsenzbereiten ein großes Glück, wenn die Kunst – eine Ausstellung – genug bereithält zum inspirierenden inneren Dialog:

Dann wird die Anwesenheit zum Vergnügen, zur Bereicherung und zur Erfüllung. Gute Kunst, möchte ich behaupten, kann genau zu dieser Gegenwärtigkeit einladen.

Wenn ich solcher Kunst begegne, bin ich hinterher immer eine Andere… wenn auch nur ein wenig und nach außen hin nicht sichtbar. Etwas passiert und ich bin im Gespräch… welches meist völlig wortlos verläuft.

Es ist vielleicht der aufgendeste und schönste geistig-emotionale Genuss, den ich kenne und ich habe festgestellt, dass ich dabei Neues entdecke in dem Maß, wie ich es schon kenne – ich wieder-erkenne etwas, was mir schon zu eigen war.

Die sinnliche Präsenz der Form und Formensprache führt mich zu mir selbst und erneuert mich gleichermaßen. Das ist für mich ein äußerst geheimnisvoller Vorgang, den ich gar nicht aufschlüsseln will – wegen meiner kann dieser Prozess gerne Gehemnis bleiben. Es gibt zu wenig Komplexität in dieser Qualität… meinem Empfinden nach zumindest.

Und meine Erfahrung ist es weiterhin, dass meine Anwesenheit, meine Offenheit, mein Erkenntnisprozess in diesem Moment eine Art Zuhause brauchen:

Ein Innhealten, ein sich verlieren können, ein erlebendes Eintauchen …geht nur, wenn wir uns sicher und entspannt fühlen…eben eine Art Zuhause entfalten können – und sei es auch nur für diesen Moment.

Das heisst, dass wir ein geistiges Zuhause-Sein erleben können in der Begegnung mit Kunst, und zwar auch, oder vielleicht gerade, wenn sie für uns fremd, neu und aufregend ist. Und dafür sind sehr hilfreich besondere und auch schöne Orte – ganz wie dieser hier.

Denn was mir im Laufe der Aufbauarbeiten immer klarer wurde, ist dieser besondere Zusammenhang: Das Regionalmuseum Reinickendorf – vormals auch Heimatmuseum genannt – beschäftigt sich mit der historischen Dimension von Heimat, Zuhause UND bietet temporäre Heimstatt für zeitgenössische Kunst.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Museumsleitung und dem ganzen Mueseumsteam für diese temporäre Heimat unserer Kunst sehr herzlich bedanken! Es war eine schöne Reise bis zur Eröffnung, großen Dank dafür!

Über das Thema der Ausstellung – die Zeichen und die Zeichnung – fällt es mir als Künstlerin schwerer, es in Worte zu fassen… wahrscheinlich, weil es Teil meiner Arbeit ist – und der aller Kolleg:innen.

Ich bin zu nah dran und erlebe es oft als Zersetzung, wenn ich etwas erkläre, was sich eigentlich auf der nonverbalen Ebene vollzieht – es droht poetischer Verlust aus meiner Sicht und ich meine das sinngemäß so wie es das Pik Asso der modernen Malerei mal formulierte:

Das einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist, keine Comics gezeichnet zu haben.“

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen?“

Denn auch, wenn ich intellektuell bin, möchte ich selbst keine Metaebene über das legen, was ich und andere ja schon gesagt haben – in unseren Werken.

Und ich bin der Auffassung, dass diese Ausstellung so reichhaltig ist, dass man sich der nonverbalen Ebene und Reise hingeben kann und fündig wird – bei jeder einzelnen Arbeit und auch bei der Sprachlichkeit der gesamten Ausstellung.

Doch, was ich sehr spannend finde und sehr genießen kann, ist, wenn andere aus berufenem Munde ihre Eindrücke und Inspiration benennen und sichtbar machen – das nenne ich eine poetisch verlängerte Achse der Ausstellung und deshalb freue ich mich sehr auf die jetzt folgende Einführung der verehrten Dr. Sabine Ziegenrücker!

 

 

 

 


english version

My welcoming speech for the exhibition I curated, RICH IN SIGNS, at the MUSEUM REINICKENDORF | GalerieETAGE, March 25 – June 14, 2026

 

 

Dear attendees!

 

I am delighted by your presence…

This is not only a beautiful—even philosophical—greeting, which also manages to be gender-neutral… it also captures the essence of what is needed to connect with art: presence.

It is a great privilege for us artists to be perceived by beings who are ready to be present—and conversely, it is a great privilege for those who are ready to be present when the art—an exhibition—offers enough for an inspiring inner dialogue:

Then presence becomes a pleasure, an enrichment, and a fulfillment. Good art, I would argue, can invite precisely this kind of presence.

When I encounter such art, I am always a different person afterward… even if only slightly and not outwardly visible. Something happens, and I am engaged in a conversation… which usually takes place entirely without words.

It is perhaps the most profound and beautiful intellectual and emotional pleasure I know, and I’ve found that I discover new things in it to the same degree that I already know them—I recognize something that was already within me.

The sensual presence of form and its language leads me to myself and renews me at the same time. For me, this is an extremely mysterious process that I don’t even want to unravel—for my sake, this process can gladly remain a mystery. There’s too little complexity in this quality… at least in my perception.

And my experience continues to be that my presence, my openness, my process of discovery in this moment need a kind of home:

A sustained state, a being able to lose oneself, an immersive experience… is only possible when we feel safe and relaxed… when we can unfold a kind of home—even if only for this moment.

This means that we can experience a spiritual home in the encounter with art, even, or perhaps especially, when it is unfamiliar, new, and exciting to us. And for that, special and beautiful places are very helpful – just like this one.

Because what became increasingly clear to me during the setup process is this special connection: The Reinickendorf Regional Museum – formerly also called the Local History Museum – deals with the historical dimension of home and home AND offers a temporary home for contemporary art.

At this point, I would like to sincerely thank the museum management and the entire museum team for this temporary home for our art! It was a wonderful journey to the opening, thank you so much!

As an artist, I find it more difficult to put the exhibition’s theme – signs and drawing – into words… probably because it’s part of my work – and that of all my colleagues.

I’m too close to the subject matter and often experience it as a form of deconstruction when I explain something that actually unfolds on a nonverbal level—it threatens a poetic loss, in my view, and I mean this in the same way as the Pik Asso of modern painting once formulated it:

„The only thing I regret in my life is not having drawn comics.“

„Everyone wants to understand art. Why not try to understand the songs of a bird?“

Because even though I’m an intellectual, I don’t want to impose a meta-level on what I and others have already said—in our works.

And I believe that this exhibition is so rich that one can surrender to the nonverbal level and journey and find something—in every single work and also in the language of the entire exhibition.

However, what I find very exciting and can greatly enjoy is when others, from authoritative sources, name and make visible their impressions and inspiration—I call that a poetically extended axis of the exhibition, and that’s why I’m very much looking forward to the following introduction by the esteemed Dr. Sabine Ziegenrücker!