Tina Lüers

 
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Geschichtete Dunkelheit, 2008

And Then, 130 x 240 cm, Öl/Nessel, 2008Schichten von Dunkelheit finden sich im Übereinander zur Nacht. Versunkene Tiefe lagert am Grund, dunkelblau, mal braun, grün, selten ganz nachtschwarz. Inseln gleich schwimmen Farbfelder gleißenden Hellgelbs darauf. Ihr Schimmer erreicht die lichtlose Basis der wolkigen Nacht, bleibt obenauf, gerinnt zum Abglanz menschlicher Anwesenheit.

Die Nachtaufnahmen Esther Horns zeigen Malerei, die vom Licht, von der Farbe ausgeht, auf dieser Basis jedoch eine eigene, nächtliche Sprache entwickelt. Abwesend oder schemenhaft bleiben die wenigen Menschen unter dem sternenlosen Himmel, sind mal in Autos und Wohnwagen zu erahnen, mal in beschlagenen Telefonzellen zu vermuten. In den weiten Plätzen und Landschaften verbirgt sich ein Geheimnis. Ob unbetretener Schnee, brachliegende Ebenen oder bedrohliche regungslose Leere, die festgefrorenen Momente, Filmstills gleich, wirken wie Motive aus einer Folge, in der es ganz anders weitergehen könnte. Die Nacht könnte Schutzlosen Schrecken wie Grausamen Wirklichkeit bergen. Menschen sind, wenn auch nicht zu sehen, unmittelbar zu spüren. In „american_fake“ treffen dunkler Himmel und unbebaute Wege sandiger Landschaft zusammen, ein heller Wagen durchfährt die Nacht. Wohin so spät, so weit?

American Fake, 140 x 220 cm, Öl/Nessel, 2006Nicht minder präsent ist die Malerei, verschränkt sich in der Auflösung von Formen mit der Benennung des Gegenstandes. Aus ihr entwickelt sich die Bildlichkeit, gewichtslose Durchblicke geben Freiraum. Sie gewähren Transparenz, verneinen das Abbild und weisen zurück auf das Medium, die Malerei selbst. In Schichten, transparenten Lasuren, deckenden Gesten, glatten und rissigen Oberflächen äußern sich die Stofflichkeiten des Prozesses, die Haftung an das Material. Von oben läuft die Dunkelheit in die Sträucher.

In der Polarnacht ist kein Mond zu sehen, kein Schein erhellt das Dunkel, allein der Schnee, hellblau, reflektiert, bekommt ein wenig ab vom Widerschein der Sonnenwinde, die das Magnetfeld stören. Verstören. Mit beunruhigender Intensität generiert Esther Horn die Welt aus dem Farbraum, gibt sie zur Wahrnehmung zurück an den Betrachter.