Rudolf Krüger

 
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Let's call it nature. Über die Arbeit von Esther Horn, 2016

no-bathers3_klDie Gemälde von Esther Horn zeigen eine aufregende, zeitgenössische und ganz neue Synthese von Gegenständlichkeit und Abstraktion, die Elemente von Tradition und Moderne aufgreift. Zeichnerische und malerische Mittel halten sich in dem Maße die Waage, wie sie in komplexer Reibungsenergie gegeneinander in Stellung gebracht sind. Gerade in den jüngsten Bildserien gehen Linie und Fläche eine delikate Alliance ein, die souveränen Raumentwurf, marodierende Farbfläche, Figur und Grund, zitierte Gegenständlichkeit vereint und im Miteinander erst hervorbringt.

Das malerische Element äußert sich starkfarbig und expressiv in einer Vielfalt von Abstufunwuerzburg8_gr_1gen. Ungewöhnliche Raumausschnitte und Perspektiven dynamisieren den Bildraum und irritieren den Betrachter genauso, wie andere Ruhe und Kontemplation ausstrahlen. Allen gemeinsam ist durch den lasierenden Farbauftrag die sensible Behandlung des Lichts. Dieses Licht bringt die Bilder zum Leuchten und gibt ihnen ihre sinnliche Qualität - selbst in der Serie, die Nacht und Dunkelheit thematisiert.

Die mit dem Kohlestift aufgebrachten Wandbilder Esther Horns (What you see, is what you don’t, Würzburg, 2014, Über Land, Erfurt 2005, Point of view, Münster, 2002 u.a.) demonstrieren die zeichnerische Herkunft und Kraft der Künstlerin. Diese, aber auch die mit Acrylfarbe gearbeiteten Raumarbeiten wie Cave 3/Identity, Fürth, 2013 oder Cave, Stockholm 2009, veranlassen den Betrachter, ähnlich einem hermeneutischen Zirkel, den Ausstellungsraum zu erkunden und stetig neue Blickwinkel und Zusammenhänge zu entdecken - immer wieder auch im Rückgriff auf  Topoi und Motive der Kunstgeschichte, unaufdringlich läuft ein vielschichtiger Diskurs über Kunst und Form mit. Im Verbund mit integrierten Gemälden und Animationen auf Bildschirmen entsteht in Ausstellungssituationen ein Environment, das die Vielseitigkeit und starke Eigensprachlichkeit der Künstlerin aufruft.