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Wer je eine der atemberaubenden Makroaufnahmen von Schnee sah, kommt nicht umhin, die der Natur innewohnende Geometrie zu feiern, und sei es nur für ein paar Sekunden. Und die Verzauberung zu spüren, die diese Entdeckungen bedeuten.

Dass Wasser diese Formen annehmen kann, ist ein Geheimnis in sich. Es ist ein magischer Vorgang, der molekulare Strukturen unter bestimmten Bedingungen in diese Formvielfalt hinein sich entfalten und Form annehmen lässt. Es ist pure Opulenz, dieses eisige Aufblühen in millionenfacher Ausformung, das in bestimmten Regularien wie der des Sechsecks, des 60°- und 120°-Winkels Maß findet. Es ist pure Schönheit und Magie.

Schütteln wir die Gewohnheit und Selbstverständlichkeit der scheinbar vertrauten Erscheinung wieder ab, äußert sich das Abenteuer und das eigentliche Ereignis dieser Schönheit.

Als Kind schon habe ich das Schneetreiben und -fallen als Magie empfunden und das ist heute noch so. Es war so aufregend und schön! Dieses leise und zärtliche Fallen, diese Ruhe und alles durchdringender Frieden, den diese winzigen Kammern en gros schufen, blieb das weisse Strudeln einmal als Lage, als layer, als Decke liegen. Das Knirschen, das Stapfen, die Lautlichkeit des eigenen Ganges in jeder Hinsicht akzeptierend, aufnehmend. Als Kind schon war die Schneelandschaft ein riesiges großes Zeichenblatt für mich, einladend und überaus reizvoll in jeder Hinsicht.

Und nehme ich heute als großes Kind diese neue Wissensebene hinein in meinen Blick, dieses Makrowissen, diese vergrößerten Ansichten von dem, was ich als leises, kaltes Flauschen und Trudeln schon kannte. Ja, dann ist das Magische potenziert um ein Unendliches.

Was für eine Liebe und Schönheit diesem Ereignis innewohnt! Eine köstliche Verschwendung, ein majestätischer Reichtum ereignet sich direkt vor unseren Augen und schmilzt an unseren Wangen, unseren Händen. Berührt uns auf vielfältige Weise. Es ist von großer Zärtlichkeit, dass diese Kristalle nicht als riesige Zackenkränze auf uns einprasseln, sondern als kleine, tanzende, strudelnde Wirbel… geradezu gelassen in ihrer eigenen Schönheit, ewig zufrieden und das Geheimnis ihrer Form derjenigen offenbarend, die empfänglich dafür ist und sie sehen kann. Einverstanden sind sie mit ihrer kurzen Lebensdauer und den Transformationen, die sie durchlaufen.

Wer genau auf die Symmetrie von Schneeflocken schaut, erkennt, dass diese Symmetrie in sich perfekt, doch mitnichten gleichförmig ist. Die Natur schlägt ein völlig anderes Perfektionsverständnis vor, als wir es gewohnt sind. Es ist ihre eigene Lebendigkeit, die auch in der Symmetrie die tanzende Schwingung und Ausprägung präferiert. Gleichgewicht hat hier ein ganz anderes Gesicht. Sie wiederholt sich, ist beständig, doch legt sie sich nicht fest, sondern bleibt sich und der Welt ein höchst bekömmliches Geheimnis.

So paart sich auch die Üppigeit mit dem Ephemeren… sie vertraut sich selbst und ihrem Reichtum, die Schneeflocke ist da ganz Kind der Natur: Sie hat keine Sorge um ihre Existenz. Sie vergeht und entsteht wieder neu – niemals gleich. Sie, die Schneeflocke, ist vollumfänglich schön als Einzelphänomen. sowie als Teil eines großen Ganzes, dem sie selbstverständlich zugehört. Das große Ganze ist ihr gleich_gültig, es gehört ihr, wie es ihr nicht gehört. Sie ist, so wie sie nicht ist.

Sie ist zart, in der Kälte.

 

 

 

 


english version

LITTLE JOURNEY OF THE MIND: THE TENDERNESS OF A SNOWFLAKE

 

 

Anyone who has ever seen one of these breathtaking macro shots of snow cannot help but celebrate nature’s inherent geometry, even if only for a few seconds. And to feel the enchantment that these discoveries mean.

That water can take these forms is a secret in itself. It is a magical process that, under certain conditions, allows molecular structures to unfold and take shape into this endless variety. It is pure opulence, this icy blooming in millions of forms, its shapening is measured in certain regulations such as the hexagon, the 60 ° and 120 ° angle. It is pure beauty and magic.

If we shake off the usual- and obviousness of the apparently familiar, the adventure and the actual event of this beauty can express itself.

As a child, I felt the drifting and falling snow as magic and that is still the case today. It was so exciting and beautiful! This gentle and tender fall, this calm and all-pervading peace that these tiny chambers created in bulk, once the white swirl remained as a layer, as a cover, a blanket. Accepting and perceiving the crunching, the trudging, the sound of one’s own gait in every respect. Even as a child, the snowy landscape was a huge, large drawing sheet for me, inviting and extremely attractive in every way.

And today, as a big child, I take this new level of knowledge into my gaze, this macro knowledge, these enlarged views of what I already knew as quiet, cold fluff and spin. Yes, and then the magic is increased to infinity.

What a love and beauty is inherent in this incidenc! A delicious lavishness, a majestic abundance occurs right before our eyes and melts on our cheeks, our hands. Touches us in many ways. It is of great tenderness that these crystals do not rain down on us as huge wreaths of spikes, but as small, dancing, swirling vortices … downright serene in their own beauty, eternally content and revealing the secret of their shape to those who are receptive to it, those who can see. They agree with their own short lifespan and the transformations they go through.

If you look closely at the symmetry of snowflakes, you will see that this symmetry is perfect in itself, but by no means uniform. Nature suggests a completely different understanding of perfection than we are used to. It is it’s own vitality that prefers the dancing vibration and expression in symmetry, too. Balance has a completely different face here. It repeats itself, is constant, but it is not fixed, but remains a highly digestible secret to itself and the world.

In this way, opulence is paired with the ephemeral … it trusts itself and its wealth, the snowflake is a child of nature: it has no concern for its existence. It passes and arises again – never as the same. The snowflake is entirely beautiful as a single phenomenon as well as part of the big picture to which it naturally belongs. It is indifferent to the big picture, it belongs to it as it does not. It exists, as it does not.

It is tender in the cold.